DER BÄR AM HIMMEL
Der Kleine, bzw. der Große Bär, ist wohl das bekannteste und am leichtesten zu
erkennende Sternbild des nördlichen Nachthimmels. Auffallend ist, dass ganz
unterschiedliche, weitgehend voneinander isolierte Kulturen die Konstellation
mit einem Bären assoziierten.
Die Hindus bezeichnen dieses Sternbild als Rakh, was auf Sanskrit soviel wie
„hell“ bedeutet. Nach der Hindu-Mythologie hält der Große Bär das Universum
ständig in wirbelnder Bewegung, lässt die Jahreszeiten kommen und gehen,
beschleunigt die Ernte und sorgt für Regen. Aber ebenso kann der Große Bär
Trockenheit und Hunger bringen, denn er beherrscht ebenso die Winde und das
Wetter. Als ein Vorläufer allen Lebens (*Herr des Lebens) auf Erden bewacht er
auch den Durchgang eines neugeborenen Kindes aus dem Mutterschoß. Indem sie dem
himmelswirbelnden Rakh imitieren, malen die Hindus rote Spiralen auf die Wände
jener Häuser, in denen eine Geburt unmittelbar bevorsteht. Sie wollen damit
sicherstellen, dass das Kind im Geburtskanal die richtige Richtung einnimmt. Das
„Gebären“ eines Kindes und der englische Begriff „getting one´s bearing“ (sich
orientieren) lässt sich etymologisch nicht von dem Großen Bären trennen.
(*zusätzlich eigene Anmerkung)
Die meisten Geschichten erklären, wie der Bär in den Himmel kam, doch niemals
bringen sie ihn auf die Erde zurück. In der Legende vom kleinen Bären am Himmel
und den Menschen der westsibirischen Ostyaks verhält es sich jedoch anders.
Eine ihrer Geschichten sagt, dass der Bär ohne Mühe zwischen Himmel und Erde
reisen könne, er sei einst durch die Vermählung von Sonne und Mond
hervorgegangen. Und so begann sein Dasein als Himmelsmacht. Als sich der Vater
des kleinen Bären auf der Jagd befand, schlich sich der kleine Bär aus dem Haus
und erkundete seine Umgebung. Dabei passierte es. Nachdem er versehentlich einen
Fuß durch den Himmelsboden gesteckt hatte, sah er für kurze Zeit die dort unten
lebenden Menschen. Dieser Anblick weckte seine Neugier so sehr, dass er seinen
Vater Numi-Torum überredete, ihm zu erlauben, die Menschen zu besuchen.
Daraufhin hob sein Vater den kleinen Bären in eine goldene Wiege und setzte ihn
vorsichtig mithilfe einer silbernen Kette auf einer Honigblüte ab, die auf der
Erde wuchs. Numi-Torum gab ihm genaue Verhaltensmaßregeln. Er müsse die Bösen
bestrafen, die Guten belohnen und jedermann in der heiligen Bärenzeremonie
unterweisen. Als die erste große Zeremonie vollbracht war, füllte der kleine Bär
sein Traggestell mit Silber, und sein Vater zog ihn wieder in den Himmel hinauf,
wo er seither wohnt.
QUELLENVERZEICHNIS:
Aus WAS IST WAS „Bären“ , Band 115 Tessloff Verlag
„Höhle und Handlung“ Tagungsmappe 2000 P. Hofmann
„Höhle und Wahrheit“ Tagungsmappe 2001 P. Hofmann
„Bären“ Orbis Verlag 2002
„Die faszinierende Welt der Bären“ Weltbild Verlag 2007
„108 …Antwort von X“ Books on Demand 2007